Fashion
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Warum ich nicht mehr über Mode schreibe

Wer meinen Blog schon etwas länger verfolgt, weiß, dass es hier vor ein paar Jahren noch etwas anders aussah. Neben meiner Tätigkeit für Magazine wie Fashionary oder auch k50 lag mein Blogfokus nämlich vor allem auf der Mode. Selbst der berufliche Schritt in den Modejournalismus lag eine (kurze) Zeit lang nicht fern. Als ich mich dann relativ bald eines Besseren berief wurde mir klar, dass ich der Mode auch auf meinem Blog keinen Platz mehr einräumen möchte. Late but hoffentlich not too late habe ich mir noch einmal die Gründe für meinen Ausstieg von der Seele geschrieben.

#1 – Mode ist f***ing oberflächlich!

Einige werden mit den Augen rollen, denn das ist soweit nichts neues. Meine Perspektive war immer, dass man bei Mode von innen nach außen denkt. Sprich, das, was sich im Inneren abspielt, sollte sich im besten Fall auch im Stil widerspiegeln. Das versuche ich heute noch, denn das ist für mich nach wie vor der spaßige Part, bei dem ich mich kreativ austoben kann. Den Eindruck, den ich bei meinen Ausflügen in den Modejournalismus gewonnen habe, führte mir aber das genaue Gegenteil vor Augen. Selbst bei der Zusammenarbeit mit gewissen Online Fashion Plattformen musste ich feststellen, das hier vor allem von außen nach innen gedacht wurde. Aber so viel Spaß ich privat auch an der Mode hatte: sie war mir nicht wichtig genug, um mich diesem Terz auch beruflich auszusetzen.

#2 – Mode ist unpolitisch!

Ja, es gibt Ausnahmen. Bestimmte Labels mit einer bestimmten politischen Agenda, der sie treu bleiben. Ein bekanntes Beispiel dafür wäre Stella McCartney, die bei ihrem Label grundsätzlich auf tierische Komponenten verzichtet. Andere Labels dagegen spielen sich als richtungsweisend auf, wenn sie im Jahre 2018 beschließen, künftig auf exotisches Leder zu verzichten. Klar, irgendwer muss ja den Anfang machen, denkt man sich. Aber so eine Entwicklung ist heute weder revolutionär noch politisch, sondern a) zu spät und b) an den sich wandelnden Wünschen einer mehr und mehr umweltbewussten Klientel orientiert. Die Mode ist nicht der politische Vorreiter, der sie zu sein behauptet. Ganz im Gegenteil, eine Zeit lang galten politische Statements sogar als unschick. Der große Boom mit feministisch bedruckten Shirts à la the future is female etwa, kam erst nach #MeToo. Und auch Konzepte wie H&Ms Conscious oder eben Chanels Lederausstieg richten sich nicht nach einer politischen Agenda, sondern schlichtweg nach den Wünschen eines sich wandelnden internationalen Marktes.

Nationale Demo gegen Schurwolle, 2014. Quelle: Peta

#3 – Mode ist heuchlerisch!

Für mich der wohl gravierendste Punkt, bei dem mir (sorry für die Wortwahl) regelmäßig das große Kotzen kommt. Die Modeindustrie ist nicht nur oberflächlich, sondern auch noch verdammt verlogen. Punkt 1: Die Mode feiert sich als Trendsetter, dabei hinkt sie der gesellschaftlichen Entwicklung seit Jahren hinterher (siehe oben). Punkt 2: Labels wie H&M (Angora, Pelz), Hugo Boss, Armani (beide Pelz) oder eben Chanel (exot. Leder) lehnen, wissend um die tierquälerischen Methoden, gewisse Fabrikationsstoffe ab. Die Frage ist: warum nur diese? Dieser Punkt hat für mich vor allem mit Inkonsequenz zu tun, denn wer ablehnt, dass Tieren für Pelz oder exotisches Leder (Bsp. Schlangen) bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wird, sollte ebenso wenig billigen, dass Tiere für die Lederproduktion in Ländern wie Bangladesh elendig verbluten müssen. Wer es nicht glaubt, kann sich gerne einmal diese Doku zu Gemüte führen. Und wer schon immer einmal wissen wollte, wie sich ein schreiendes Kaninchen anhört, diese Aufnahmen aus einer Angora-Farm. Hinzu kommen die furchtbaren Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie, von den Umweltauswirkungen durch die eingesetzten und falsch entsorgten Chemikalien ganz zu schweigen. Und ja, auch Luxus-Labels wie DKNY lassen in China fertigen, der Preis einer Klamotte ändert also nichts an den Methoden.

Second Hand und Fair Labels als Alternative

Natürlich gibt es Labels, die sich dem Kampf gegen all diese Methoden verschrieben haben. Mittlerweile auch mit Designs, in denen man nicht zwangsläufig aussieht, wie ein wandelnder Kartoffelsack. Zu sogenannten Fair Labels zu greifen oder bei High Street Ketten wie H&M auf die Materialien zu achten, ist meiner Meinung nach immer eine gute Idee. Trotzdem: auch wenn ich mir ab und an Baumwollsocken bei H&M kaufe, ist die umweltfreundlichste Konsumweise für mich nach wie vor Second Hand. Und wer weiß, vielleicht komme ich irgendwann auf den Trichter und poste wieder ein paar Second Hand Outfits. Momentan jedoch brauche ich erst einmal eine Pause von der Mode. Und eine Kotztüte.

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1 Kommentar

  1. dorie sagt

    Ich kenne das und ich bin auch immer hin und her gerissen. Ich liebe Mode einfach, aber du hast recht mit allen Punkten und das macht mich auch traurig. Ich versuche meinen Modekonsum jetzt auch eher auf Second Hand zu verschieben, auch wenn das nicht immer klappt. Zumindest versuche ich kein Leder und schon gar keinen Pelz zu kaufen. Aber Hut ab, dass du darüber aufklärst und Konsequenzen ziehst.
    Liebe Grüße
    Dorie von http://www.thedorie.com

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