Allgemein, Lifestyle
Hinterlasse einen Kommentar

The Intern Diaries #1 – Tacheles!

Leise säuselnd ertönt der Soundtrack von Akte X im Schlafzimmer und reißt mich aus etwas, das nichtmal in Japan als Power Nap durchgehen kann. Fünf Stunden Schlaf gegen achtzehn Stunden auf den Beinen und ich, Siebenschläfer Nr.1, am Rande des Nervenzusammenbruchs. Ganz so schlimm ist es natürlich nicht – aber wenn ich jammere, dann auf hohem Niveau! Das schulde ich der Adresse für die ich arbeite. Höchste Zeit also für ein tränenreiches Resumée, nein, besser noch: ein Tagebuch! Total anonym versteht sich.

Nachdem euch der letzte Artikel einen kleinen Einstieg geliefert hat, werde ich mich von nun an regelmäßig über mein Leben beschweren. Zumindest ebenso seriös, informativ und objektiv, wie man das von einem angehenden Tintenkleckser erwarten kann. Es geht also um mein Praktikum – drei Monate Starnberg, zwei Monate München – bei einer renommierten deutschen Tageszeitung (und nein, die BILD ist es nicht). Wobei ich mir gut vorstellen könnte, demnächst für die schlimmsten Aufreißer in der Geschichte der BRD zuständig zu sein. Die TITANIC hat ausgedient, jetzt komme ich.

Aber bevor ich Martin Sonneborn Konkurrenz mache, heißt es erst einmal ackern. Denn arbeiten bei einer Tageszeitung bedeutet: Bleiben, bis das ver****** Ding fertig ist! Hinzu kommen Abendveranstaltungen, Wochenend- und Feiertagstermine und nicht zu vergessen: das leidige Pendeln, das sich bei meiner Augsburger Bleibe auf vier Stunden täglich beläuft. Wer sich nun fragt, warum die Olle denn so blöd ist ins ferne Augsburg zu ziehen, heißt entweder Aurelius oder ist als Kind ganz arg aus der Krippe gefallen. Denn welcher normalsterbliche Student hat heutzutage schon das Geld, sich ab 500 Euro aufwärts ein Quartier im nächstgelegenen Münchner Studentenwohnheim zu suchen? Mahlzeiten exklusive, versteht sich. Tatsächlich ist selbst Augsburg als Münchner Einzugsgebiet vergleichsweise teuer und bei klapprigem Praktikantengehalt auch nicht für Jedermann zu stemmen.

Für jemanden, der also nicht Aurelius heißt, ist so ein Großstadtpraktikum eine ziemliche Investition. Logisch, dass man sich da umso mehr Mühe gibt, einen richtig guten Job zu machen. Trotzdem ist es eine Sache, die aufregt. In der Bewerbungsphase, in der ich mich neben München auch bei anderen Zeitungen in Hamburg und FaM bewarb, dachte ich mir: scheiß drauf! Zur Not campe ich vor dem Gebäude auf dem Rasen. So viel war mir dieser Praktikumsplatz wert. Da mag ich die Ausnahme sein, aber müsste es nicht drin sein, auch weniger verzweifelten und ebenso unbetuchten Studenten die Möglichkeit auf ein 1a Praktikum zu bieten? Schafft sich der seriöse Journalismus nicht ab, wenn die großen deutschen Zeitungen für den Nachwuchs so elitäre Bedingungen schaffen, dass sich dieser zwangsläufig auf eine bestimmte Klasse beschränkt? Müsste Journalismus nicht durch alle gesellschaftlichen Schichten gehen?

Es läuft also so: Entweder man ist arm, zu allem bereit und hat ein bisschen Glück – oder man ist reich, kann sich entspannt eine ortsnahe Bleibe suchen und muss sich nicht fragen, wie die Butter auf die morgendliche Semmel kommt. Mit vernünftigen Praktikantengehältern wäre schonmal ein erster Schritt getan – die gesetzlichen Voraussetzungen bestehen immerhin! Dass die Zeitungen im Digitalen Zeitalter jeden Cent zweimal umdrehen müssen, ist klar, die Denke hinter den Gehältern dagegen mehr als kurzsichtig. Aber wer weiß: Das berühmte journalistische Durchbeißvermögen lernt sich eben nur auf die harte Tour.

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.