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Bonzentown Ahoj!

Da das einzig aktuelle an diesem Blog derzeit mein Instagram-Feed ist, mögen sich die einen oder anderen vielleicht wundern, wo ich stecke. Oder auch nicht! Um den zahlreichen Verschwörungstheorien zuvorzukommen, dachte ich, ich mach mal reinen Tisch.

Wie meine Ur-Leser vielleicht wissen, turne ich seit langem in verschiedenen Magazinen und Online-Plattformen herum. Neben einigen „ernsthafteren“ Projekten zählen hierzu auch meine wissenschaftspolitischen Gastbeiträge für das Bafmw, Stichwort: Harpyenfleisch-Skandal. Und weil die Carlotta das auch mehr oder weniger ernst meint mit dem Journalismus, ist sie im letzten Monat einen drastischen Schritt gegangen und nach Bonzentown übergelaufen. Aber der Reihe nach …

Bonzentown, Germany – Aka Starnberg, dessen berühmter See im Sommer hundertkarätig mit den Bergen um die Wette funkelt. Der Ort, an dem Aurelius und Ernst-Ulrich mit ihrem Vater am Wochenende segeln gehen. Wo Ludwig von Bayern ertrank und Luitpold und Leopold, Prinzen von Bayern, ihre Residenz beziehen. Starnberg, ländlich und elitär zugleich, wo die SUVs vor dem Biomarkt in der Sonne glänzen. Und mittendrin: ich!

Der Geburtsort unserer Protagonistin ist weder hochkarätig noch glänzend. Porz ist, genauso wie der Name klingt, eher scheiße. Das Sprichwort „Woanders is auch scheiße!“ ist hier sowas wie eine Lebenseinstellung und obwohl es nicht das Ruhrgebiet ist, ist es immerhin Köln. Wer Köln kennt, weiß, hier gibt es wenig schöne und noch mehr hässliche Orte. Zu den schönen zählt der Dom, zu den hässlichen zählt Porz. Wer also aus einem Ort wie Porz kommt, der fast so schlimm ist wie Hürth (aber nur fast), der kann mit SUVs vor dem Biomarkt erstmal wenig anfangen. Wo ich herkomme, regiert der untere Mittelstand und der ist okay.

Starnberg war so gesehen nur ein Ausrutscher. Eigentlich wollte ich ja nach München, da verteilt sich der Reichtum wenigstens auf ein paar Millionen Einwohner. Zugegeben, da komme ich immer noch hin, aber immer Ruhe mit den jungen Pferden. Es war also ein sonniger Nachmittag im fernen Bonn, als ich mir dachte, ein Praktikum sei nicht schlecht, um die Lücke zwischen Bachelor und Master zu überbrücken. Und weil Schreiben nun mal mein Ding ist, grenzte das die Auswahl ein. Am Ende kam die Zusage einer renommierten deutschen Tageszeitung: Ja, ich durfte ein Praktikum in der Online-Kultur in München antreten. Um noch ein bisschen Erfahrung in einer Tageszeitung zu sammeln, kam außerdem die Zusage für ein Praktikum im Lokalteil dazu. Carlotta, die wählen durfte, wählte den einzigen Großmünchner Distrikt, den sie kannte: Starnberg. Und da wären wir nun.

Binnen meines ersten Monats an der Côte d´ahoam, wo Kölsch nicht mehr als eine finstere Legende ist, sollte ich einen gewaltigen Kulturschock erleiden. Auf einmal war ich nicht nur dat kölsche Mädche im Land der Fleischpflanzerlsemmel, sondern auch die Porzerin in den bayrischen Hamptons. Einer meiner ersten Aufträge führte mich zu einer Brotdegustation (ja, Sie haben richtig gehört) in einer Sparkassenfiliale. Hier erhielt ich, wie das in Starnberg nunmal so üblich ist, auch meine erste Bestechung in Form von BREZELN. Als ich meinen Kollegen in der Redaktionssitzung ebendiese anbot, bekam ich auf mein BREZELN erstmal ein „Scheiß Ausländer!“ zu hören. Denn hier heißt es Brezen und das nehmen die Bayern sehr genau.

Nett sind sie ja, die Bayern.

Zu meinen Bayern-Exkursen gesellten sich alsbald auch die ersten Bonzen-Exkurse. So führte mich ein erster Interviewtermin in eine Villa, wie sie sonst nur der Litfaßwerbung „besserer“ Bonner Makler entspringt. In Starnberg, wo schon ein kleines schmuckes Häuschen 10 Mille kosten kann, nicht der Rede wert. Unter 10 Mille gehört man in Starnberg zum unteren Mittelstand, mein Gespräch mit den „normalen Leuten“ verlief also unter Gleichgesinnten.

Dazu muss man sagen: So schlimm ich die 20 Porsches und 10 Ferraris am Tag auch finde, die auf den 100 Metern vom Bahnhof zur Redaktion meinen Weg kreuzen, eines muss man den Starnbergern lassen – sie haben sich einen verdammt schönen Flecken Erde ausgesucht! Und ich, so gesehen, einen sehr netten Platz für ein Praktikum. Seeblick inklusive. Wenn mich also jemand fragt, wo ich stecke, lautet die Antwort: Am Starnberger See, auf dem Sonnendeck eines Luxusdampfers, von wo aus ich den segelnden Aurelii auf den Kopf spucken kann.

Fortsetzung folgt.

 

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