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Grüne Digitalisierung – Mit 24 in den Bundestag

Fabian Müller Grüne Münster

Foto: Paul Metzdorf

Dass er sich mit 24 Jahren für eine Bundestagskandidatur 2021 bewirbt, hat Fabian Müller selbst überrascht. „Eine Politkarriere war eigentlich nie das Ziel“, meint er rückblickend. „Auch wenn ich schon immer mit den Grünen geliebäugelt habe.“ In die Partei eingetreten ist Müller 2017, im ersten Jahr seines Jurastudiums. Heute sitzt er im Kreisvorstand der Grünen in Münster. „Ich habe als Helfer am Wahlkampfstand angefangen und bin dadurch quasi da reingerutscht“, sagt er.

Zufall ist weniges in Müllers Leben: Neben zahlreichen Ehrenämtern gründete er mit 18 Jahren sein eigenes IT-Unternehmen. Das Unternehmen gibt es noch heute, mit drei Partnern bietet Müller IT-Services für Geschäftskunden an. Als junger Mensch in Politik und Wirtschaft ernstgenommen zu werden, müsse er sich trotzdem jeden Tag aufs Neue erarbeiten. „Was ich heute in der Politik erlebe ist deckungsgleich mit dem, was ich während meiner Zeit in der Jugendverbandsarbeit erlebt habe“, erklärt Müller. „Dabei erreicht man die Leute als junger Mensch ganz anders.“

„Als junger Mensch in der Politik erreicht man die Leute ganz anders.“

Jil Blume, die mit Müller sieben Jahre im Vorstand der Jugendpresse Rheinland gearbeitet hat, erinnert sich deutlich an ihr erstes Treffen. „Fabian hat sich noch nie von Hierarchien beeinflussen lassen“, sagt Blume. „Er hat Machtsysteme schon damals hinterfragt und sich allein an die Logik gehalten.“ Eine seiner ersten Amtshandlung im Vorstand sei es gewesen, den kompletten Verband zu digitalisieren. „Das war damals noch überhaupt nicht die Regel“, so Blume. Heute gibt sie als Referentin beim Landesjugendring NRW selbst Workshops im digitalen Bereich, Müller habe sie mit dem Thema „infiziert“.

Am Wahlkampfstand fing alles an: Fabian Müller (l.) am Stand der Grünen Münster anlässlich der Europawahl 2019. (Foto: Hildegard Termühlen)

Digitalisierung und Jugendbeteiligung sind auch heute Müllers Hauptanliegen. In seinem Wahlprogramm, das er bei der Landesdelegiertenkonferenz der Grünen NRW im April vorstellen will, wirbt er für den Ausbau digitaler Strukturen und digitaler Teilhabe. „Corona hat uns bewusst gemacht, wie wichtig Digitalisierung ist“, sagt Müller. Da über digitale Themen wie den Breitbandausbau in der Regel im Bundestag verhandelt werde, kandidiert er direkt für die Landesliste. „Ein großer Teil der Kultur hat sich mittlerweile aufs Internet verlagert“, sagt er. „Um eine gesellschaftliche Teilhabe Aller zu ermöglichen, muss sich auch jeder ein Endgerät leisten können und das notwendige Know-how besitzen.“

Der Frauenanteil in der Informations- und Kommunikationstechnologie liegt bei gerade einmal 29 Prozent.

Was das Ausbleiben von Chancengleichheit bedeuten kann, hat Müller am eigenen Leib erfahren. Mit einer alleinerziehenden Mutter und einem Vater, der seit acht Jahren berufsunfähig ist, kennt er die Hürden der sozialen Ungleichheit. Umso wichtiger sind ihm die sozialen Aspekte seines Wahlprogramms. Auch in puncto Geschlechtergerechtigkeit sieht er im digitalen Bereich Nachholbedarf. Laut dem „Wirtschaftsindex DIGITAL“ des Bundeswirtschaftsministeriums, liegt der Frauenanteil in der Informations- und Kommunikationstechnologie bei gerade einmal 29 Prozent. Zudem werde gut 10 Prozent weniger Frauen in relevanten Berufen von ihren Arbeitgebern ein digitales Endgerät gestellt.

Sonja Völker, bis Anfang 2021 Sprecherin des Kreisvorstandes der Grünen in Münster, verfolgt Müllers Werdegang, seit er sich im Vorjahr erstmals für die Wahlkreiskandidatur bewarb. Dass ein so junger Mensch gegen die etablierte Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink antreten sollte, habe in der Partei eine breite Diskussion über Jugendbeteiligung in der Politik ausgelöst. „Da ging es dann unter anderem um die Frage, wie jung man sein darf, um in den Bundestag zu kommen“, erinnert sich Völker.

Sonja Völker (l.) bei einer Sitzungsmoderation der Grünen Münster (Foto: Grüne Münster)

„Ich hatte den Eindruck, dass das Losbrechen einer solchen Diskussion Fabians eigentliches Ziel bei der Kandidatur war“, sagt sie. „Außerdem fand er es wenig demokratisch, dass es anfangs nur eine Kandidatin für das Direktmandat geben sollte.“ Dass Müller nicht den parteiüblichen Weg über die Grüne Jugend gegangen sei, habe zusätzlich für Irritationen gesorgt. „Damals habe ich für Maria Klein-Schmeink gestimmt, auch weil ich der Meinung war, dass die Partei während der Pandemie Stabilität braucht“, so Völker. In den letzten Monaten habe sich ihre Meinung diesbezüglich geändert.

„Wenn schon Streaming ein relevanter Klimafaktor wird, können wir auch herkömmlich „grüne“ Fragen an die Digitalisierung stellen.“

„Es gibt viele machtpolitisch ausgerichtete Leute, vor allem in den älteren Generationen“, sagt sie. „Fabian dagegen sieht Demokratie als Wert, nicht als Weg zur Macht. Ehrlichkeit ist ihm sehr wichtig.“ Dass Digitalisierung auch bei „grünen“ Themen eine Rolle spiele, steht für Völker wiederum außer Frage. „Die Digitalisierung passiert ohnehin“, sagt sie. „Wenn schon Streaming ein relevanter Klimafaktor wird, können wir auch herkömmlich „grüne“ Fragen an die Digitalisierung stellen.“ Zurzeit bewirbt sich Völker um einen Posten als Delegierte bei der anstehenden Landesdelegiertenkonferenz. Sollte sie aufgestellt werden, will sie dort für Müller stimmen.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des diesjährigen Auswahlverfahrens der Deutschen Journalistenschule (djs).

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